Gründungen und Übernahmen zunehmend im Hochpreissegment
Apothekengründungen in Deutschland werden zunehmend teurer - insbesondere im hochpreisigen Segment. Das zeigt die aktuelle Auswertung der Deutschen Apotheker- und Ärztebank (Apobank) auf Basis von rund 370 Gründungen, die sie im Jahr 2024 begleitet hat. Die durchschnittlichen Gesamtinvestitionen bei der erstmaligen Übernahme einer Apotheke stiegen 2024 im Vergleich zum Vorjahr deutlich um 14 % auf rund 811.000 € (2023: 713.000 €). Damit verzeichnete die Apobank den stärksten Anstieg binnen eines Jahres seit Beginn ihrer Erhebungen.
Besonders auffällig ist der starke Zuwachs im oberen Preissegment: Jede fünfte Apothekenübernahme kostete mehr als 1 Mio. €, während etwa 10 % der Gründer mit weniger als 50.000 € auskamen. Die durchschnittlichen Investitionen für Apothekenverbünde lagen bei rund 1,7 Mio. €, bei Filialapotheken bei etwa 722.000 €. Jede vierte Übernahme erfolgte im Rahmen eines Verbunds, meist bestehend aus zwei Betrieben.
Während die Mehrheit der Gründungen weiterhin Einzelübernahmen sind, gewinnt die Offene Handelsgesellschaft als Rechtsform zunehmend an Bedeutung. 2024 entschieden sich 10 % der Gründer für diese Form - doppelt so viele wie noch 2020. Ein bemerkenswerter Trend: Frauen investierten 2024 im Schnitt erstmals höhere Summen als ihre männlichen Kollegen. Gründerinnen gaben durchschnittlich 835.000 € für ihre Hauptapotheke aus, Männer 791.000 €. Trotz dieses Engagements bleibt der Anteil der Gründerinnen mit rund 50 % hinter dem weiblichen Anteil an approbierten Angestellten (über 80 %) deutlich zurück.
Beim Alter zeigen sich Unterschiede zwischen den Geschlechtern: Männer gehen den Schritt in die Selbständigkeit im Schnitt früher - drei Viertel der männlichen Gründer waren jünger als 40 Jahre. Frauen gründeten im Durchschnitt etwa zwei Jahre später und häufiger sogar erst ab 50. Die beliebteste Lebensphase für eine Apothekengründung liegt insgesamt zwischen 31 und 40 Jahren.
Hinweis: Apothekengründungen leisten trotz steigender Kosten einen wichtigen Beitrag zur flächendeckenden Arzneimittelversorgung. Angesichts der hohen Investitionssummen sind stabile politische Rahmenbedingungen und eine nachhaltige finanzielle Stärkung entscheidend, um die Gründungsbereitschaft langfristig zu sichern.