Positive Bilanz trotz Herausforderungen
Seit fast eineinhalb Jahren ist das elektronische Rezept (E-Rezept) per Gesetz in allen deutschen Apotheken im Einsatz. Trotz verschiedener Herausforderungen ziehen viele Apothekeninhaber eine überwiegend positive Bilanz. Dies zeigt der aktuelle Apothekenkonjunkturindex (APOkix) des IFH Köln, der die Stimmungslage im Apothekenmarkt regelmäßig erfasst.
Rund zwei Drittel der befragten Apothekenbetreiber bewerten ihre bisherigen Erfahrungen mit dem E-Rezept als positiv (65 %). Besonders hervorgehoben wird der verbesserte Schutz vor Rezeptbetrug sowie die Reduktion von Abgabefehlern. Diese Vorteile werden als wichtige Fortschritte im Apothekenalltag anerkannt. Gleichzeitig beklagen viele Apotheken Probleme bei der Einlösung des E-Rezepts. Hauptursachen sind die verzögerte Bereitstellung der digitalen Rezepte durch Arztpraxen (93 %), Fehler beim Ausfüllen der E-Rezepte (47 %) und technische Schwierigkeiten mit der Telematikinfrastruktur (38 %). Auch der Datenschutz wird als Faktor für erhöhten Aufwand wahrgenommen (61 %).
Die Mehrheit der Kunden nutzt bei der Einlösung des E-Rezepts in der Apotheke die elektronische Gesundheitskarte (86 %). Gedruckte QR-Codes bringen rund 9 % der Patienten mit, während die Nutzung von E-Rezept-Apps mit nur 5 % bislang gering ist. Ein weiterer Kritikpunkt der Apotheken ist der durch das E-Rezept verstärkte Wettbewerb mit Versandapotheken, den 93 % der Befragten beobachten. Die digitale Rezeptform erleichtert den Versandhandel, was für viele stationäre Apotheken zusätzlichen Druck bedeutet.
Viele Apotheken wünschen sich zudem, dass das E-Rezept zeitnah auch für Privatversicherte verpflichtend eingeführt wird (55 %), um den digitalen Fortschritt flächendeckend umzusetzen. Gleichzeitig sehen sie weiterhin einen großen Informationsbedarf bei Patienten, um die Akzeptanz und Nutzung des E-Rezepts zu verbessern (70 %).
Hinweis: Das E-Rezept modernisiert die Apothekenversorgung trotz aktuell bestehender Hürden. Für den langfristigen Erfolg sind eine bessere Umsetzung, mehr Patientenaufklärung und die Einbindung aller Versicherten wichtig.