Langzeitstudent

Keine Werbungskosten für ein Studium ohne künftige Einnahmen

Eine Ärztin schaut auf ein Tablet
10 Nov. 2017

Kosten eines Studiums im Rahmen der Erstausbildung sind in der Regel Sonderausgaben und mindern die persönliche Einkommensteuerlast. Allerdings zahlen die meisten Studenten gar keine oder nur sehr wenig Steuern, so dass die Wirkung des Sonderausgabenabzugs nahezu verpufft. Wird ein Studium aber erst nach einer bereits abgeschlossenen Berufsausbildung aufgenommen, können die Kosten dafür als Werbungskosten geltend gemacht werden. In diesem Fall können sich die Ausbildungskosten auch dann auswirken, wenn der Student gar kein Einkommen erzielt, denn ein einkommensteuerlich relevanter Verlust kann in spätere Jahre vorgetragen und dann mit einem steuerpflichtigen Einkommen verrechnet werden.

In beiden Fällen gilt allerdings ein zwingender Grundsatz: Ohne den sogenannten Erwerbszusammenhang - das heißt ohne künftig zu erwartende Einnahmen aus einer angestrebten beruflichen Tätigkeit - sind Studienkosten steuerlich nicht abzugsfähig, weder als Sonderausgaben noch als Werbungskosten.

Das musste auch ein Student der Theaterwissenschaften aus Schleswig-Holstein schmerzlich erfahren. Er hatte sich im Jahr 2006 im Alter von 63 Jahren zu diesem Studium entschlossen und im Jahr 2015 immer noch nicht den Abschluss erreicht. Obwohl er sehr gute Zeugnisse vorweisen konnte, bezweifelte das Finanzgericht Schleswig-Holstein, dass der Student jemals seine Kosten durch eine spätere Berufstätigkeit würde ausgleichen können bzw. dies überhaupt vorhätte. Verschiedene Nachweise über Gespräche, die sich um seine berufliche Zukunft drehten, deuteten eher in Richtung Praktikum und Dissertation. Der Erwerbszusammenhang mit dem Studium fehlte daher aus objektiver Sicht - es handelte sich rundweg um ein Studium mit privatem Hintergrund. Somit sind sämtliche damit in Verbindung stehenden Kosten der privaten Lebensführung zuzuordnen und nicht abzugsfähig. Die Einkommensteuerbescheide seit 2006 wurden daher rückwirkend geändert.

Hinweis: Sie haben Fragen zur Geltendmachung von Kosten im Rahmen einer ersten oder einer weiteren Ausbildung? Gerne analysieren wir Ihre ganz konkrete Situation in einem Beratungsgespräch und erörtern mit Ihnen Ihre steuerlichen Möglichkeiten.

Das könnte Sie interessieren

26März2019

Trotz Immatrikulation: Kein Kindergeld bei Abbruch des Studiums

Als Elternteil eines volljährigen Kindes steht Ihnen Kindergeld zu, sofern Ihr Kind das 25. Lebensjahr noch nicht vollendet hat und sich in einer Ausbildung oder in einem ...

Mehr erfahren
18Mai2015

Abziehbarkeit von Ausbildungskosten: Einkommensteuerbescheide ergehen ab sofort vorläufig

Sind die Kosten für eine erstmalige Berufsausbildung und ein Erststudium als Werbungskosten bzw. Betriebsausgaben abziehbar? Der deutsche Gesetzgeber verneint diese Frage ...

Mehr erfahren
18Mai2015

Abziehbarkeit von Ausbildungskosten: Einkommensteuerbescheide ergehen ab sofort vorläufig

Sind die Kosten für eine erstmalige Berufsausbildung und ein Erststudium als Werbungskosten bzw. Betriebsausgaben abziehbar? Der deutsche Gesetzgeber verneint diese Frage ...

Mehr erfahren
23Aug.2015

Ferienjobs: Was Schüler, Studenten und deren Eltern beachten sollten

Schüler und Studenten nutzen die Sommerzeit häufig, um sich ein paar Euro mit einem Ferien- oder Aushilfsjob hinzuzuverdienen. Wer einen solchen antritt, sollte folgende ...

Mehr erfahren
23Aug.2020

Kein Kindergeld bei Vollzeiterwerbstätigkeit: Sparkassenfachwirt-Fortbildung gehört nicht mehr zur erstmaligen Berufsausbildung

Wenn der eigene Nachwuchs mehrere Ausbildungen hintereinander absolviert, stellt sich die Frage, wie lange die Familienkasse den Eltern noch Kindergeld auszahlt. Nach dem ...

Mehr erfahren
04Mai2015

Rückzahlung von Studiengebühren: Übernahme durch neuen Arbeitgeber löst Arbeitslohn aus

Übernimmt ein Arbeitgeber die Gebühren für ein berufsbegleitendes Studium seines Arbeitnehmers, verspricht er sich davon in der Regel einen Mehrwert für seinen Betrieb ...

Mehr erfahren