Personalmangel in der Apotheke

Work-Life-Balance zwischen Tabletten und Rezepten

Eine Ärztin schaut auf ein Tablet
25 Apr. 2025

Der Fachkräftemangel bleibt ein zentrales Thema für Apotheken in Deutschland. Laut dem Apothekenkonjunkturindex des IFH Köln gaben im Juli 2025 rund 60 % der befragten Apotheker an, dass der Mangel an Fachkräften bei ihnen stark oder sehr stark spürbar sei. Besonders betroffen sind Landapotheken, von denen 64 % den Mangel als stark oder sehr stark einschätzen, während es bei Stadtapotheken 54 % sind. Nur etwa jede zehnte Apotheke sieht eine Entspannung der Lage.

Am häufigsten ausgeschrieben wurden Stellen für pharmazeutisch-technische Assistenten (PTA) in 70 % der Apotheken, Approbierte in 63 % und PTA-Praktikanten in 52 %. Die Besetzung dieser Stellen gelingt jedoch nur mäßig. Lediglich 39 % der Apotheken konnten nahezu alle offenen PTA-Stellen besetzen, bei Approbierten lag die Erfolgsquote bei 57 % und bei PTA-Praktikanten bei 48 %. Auch pharmazeutisch-kaufmännische Angestellte (PKA), Pharmazeuten im Praktikum und PKA-Auszubildende sind schwer zu rekrutieren. Als größte Hürden bei der Personalsuche nennen die Apotheker niedrige Bewerberzahlen, hohe Gehaltsforderungen und steigende Ansprüche an die Work-Life-Balance, insbesondere bei Approbierten und PTA. Bei potentiellen PKA und PKA-Auszubildenden treten zudem vermehrt Qualifikationsdefizite auf.

Zur Bindung von Mitarbeitern setzen viele Apotheken auf übertarifliche Gehälter, flexible Arbeitszeiten, Teilzeitmodelle und Softskills in der Führung, die sich positiv auf Arbeitsklima, Teamkultur und Wertschätzung auswirken. Bei allem guten Willen berichten aber 71 % der Apotheken, dass sie aufgrund der angespannten wirtschaftlichen Situation immer seltener in der Lage sind, derart attraktive Angebote zu machen.

Der Wettbewerb um Fachkräfte wird durch andere Arbeitgeber im Gesundheitswesen zusätzlich verschärft: Krankenhausapotheken, Pharmaindustrie und Verwaltung gelten als attraktive Arbeitgeber, da sie oft bessere Verdienst- und Karrieremöglichkeiten bieten. Viele Apotheken versuchen, durch persönliche Empfehlungen, klassische Stellenanzeigen oder Social-Media-Kampagnen geeignete Nachwuchskräfte zu gewinnen, wobei persönliche Netzwerke besonders wichtig sind.

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