Poesie der Füße

Das Unterrichten von Tango ist umsatzsteuerfrei

Eine Ärztin schaut auf ein Tablet
30 Mai 2018

Das Finanzgericht Berlin-Brandenburg (FG) hat sich mit der Frage beschäftigt, ob die selbständige Tätigkeit eines Tanzlehrers der Tätigkeit eines Privatlehrers entspricht und der Tanzunterricht somit umsatzsteuerfrei sein kann.

Im vorliegenden Fall ging es um eine ausgebildete, selbständig tätige Tänzerin, die sowohl an einer Volkshochschule als auch privat Tango unterrichtete. Eine Umsatzsteuerbefreiung lehnte das Finanzamt mit der Begründung ab, dass der Tangounterricht keine unmittelbar dem Schul- und Bildungszweck dienende Leistung einer privaten Schule oder einer anderen allgemeinbildenden oder berufsbildenden Einrichtung darstelle. Der Tangounterricht diene der bloßen Freizeitgestaltung.

Die Klage der Tänzerin gegen diese Auffassung des Finanzamts hatte Erfolg. Das FG gewährte eine Umsatzsteuerbefreiung durch Anwendung der Mehrwertsteuersystemrichtlinie (MwStSystRL). Danach ist der Schul- und Hochschulunterricht von Privatlehrern umsatzsteuerfrei. Da die Tänzerin auf eigene Rechnung und in eigener Verantwortung gehandelt habe und zwischen dem konkreten Inhalt des Unterrichts und der Qualifikation der Tänzerin grundsätzlich ein Zusammenhang bestehe, gelte diese nach Unionsrecht als Privatlehrerin. Aufgrund ihrer Qualifikation gehe ihr Unterricht über eine reine Freizeitgestaltung hinaus. Der Tangotanz sei zudem Bestandteil des Hochschulsports. Das reiche aus, um eine Steuerbefreiung nach Unionsrecht zu gewähren.

Abzuwarten bleibt, ob der Bundesfinanzhof der großzügigen Sichtweise des FG folgen wird.

Hinweis: Der vorliegende Fall zeigt deutlich, dass die Voraussetzungen für Umsatzsteuerbefreiungen nach dem Unionsrecht sehr viel weiter gefasst sind als nach nationalem Recht. Es lohnt sich daher immer ein Blick in die MwStSystRL. Die Möglichkeit, sich auf diese zu berufen, ist in der Rechtsprechung inzwischen ausreichend geklärt.

Das könnte Sie interessieren

15März2019

Gewerbebetrieb statt Freiberuflichkeit: Durchführung von Produktschulungen keine unterrichtende Tätigkeit

Unterrichtende Tätigkeiten werden vom Einkommensteuergesetz als freiberuflich eingestuft, so dass für Gewinne aus diesen Tätigkeiten keine Gewerbesteuer anfällt (= keine ...

Mehr erfahren
29Dez.2017

Gewerbesteuer: Gewerbesteuerpflicht eines Personalberaters

Wenn Sie selbständig tätig sind, erzielen Sie entweder Einkünfte aus Gewerbebetrieb oder Einkünfte aus selbständiger Tätigkeit. Was genau bei Ihnen vorliegt, hängt ...

Mehr erfahren
04Sept.2017

Ehrenamt: Vorstands- und Ausschussmitglied eines Sparkassenverbandes unterliegt der Umsatzsteuer

Das Umsatzsteuerrecht sieht eine Steuerbefreiung für ehrenamtliche Tätigkeiten vor. Eine ehrenamtliche Tätigkeit ist nach ständiger Rechtsprechung in den folgenden Fällen ...

Mehr erfahren
04Aug.2015

Keine ingenieurähnliche Tätigkeit: EDV-Fachmann übt keine freiberufliche Tätigkeit aus

Um der Gewerbesteuer zu entgehen, streben selbständig tätige Personen häufig die Anerkennung als Freiberufler an. Diese Einordnung wird vom Einkommensteuergesetz jedoch ...

Mehr erfahren
14Juli2018

Keine Freiberuflichkeit: Produktschulungen und Verkaufstrainings als gewerbliche Tätigkeit

In manchen Fällen ist die Abgrenzung zwischen einer gewerblichen und einer freiberuflichen Tätigkeit schwierig. Eine Tätigkeit kann Merkmale von beiden Bereichen aufweisen, ...

Mehr erfahren
25Dez.2019

Einkommensteuer: Fortsetzung der Tätigkeit nach Veräußerung

Wenn Sie selbständig tätig sind und irgendwann Ihren Betrieb veräußern, können Sie den Gewinn daraus unter gewissen Voraussetzungen zu einem ermäßigten Steuersatz versteuern. ...

Mehr erfahren